Prognosezeitraum
Kurzdefinition
Der Zeitraum, für den die Berufsunfähigkeit voraussichtlich bestehen muss — mit der Sechs-Monats-Fiktion als wichtigstem Baustein guter Bedingungen.
Berufsunfähig ist nur, wer seinen Beruf „voraussichtlich dauerhaft“ nicht mehr ausüben kann — und der Prognosezeitraum bestimmt, was das heißt. In modernen Bedingungswerken sind es sechs Monate: Ein Arzt muss prognostizieren, dass die Beeinträchtigung voraussichtlich mindestens sechs Monate bestehen wird.
Das eigentliche Qualitätsmerkmal ist aber nicht die Prognose, sondern die sogenannte Fiktion. Denn in der Praxis legen sich Ärzte ungern auf Zukunftsprognosen fest — kaum ein Mediziner bescheinigt verbindlich, dass eine Erkrankung noch ein halbes Jahr andauern wird. Die Fiktion löst dieses Problem: Besteht die Beeinträchtigung tatsächlich sechs Monate ununterbrochen, gilt die Berufsunfähigkeit rückwirkend ab ihrem Beginn als eingetreten — ganz ohne Prognose. Aus dem Blick in die Zukunft wird ein Blick zurück, und der ist beweisbar.
Ein Beispiel: Eine Grafikerin erkrankt im Januar schwer und kann seitdem nicht arbeiten. Ihr Arzt mag im Februar keine Sechs-Monats-Prognose abgeben — verständlich, der Verlauf ist offen. Im Juli steht aber fest: Die Beeinträchtigung besteht seit sechs Monaten ununterbrochen. Mit Fiktion gilt sie damit rückwirkend seit Januar als berufsunfähig, und die Rente wird ab Januar nachgezahlt. Ohne Fiktion hinge alles an der Frage, ob und wann ein Arzt sich festlegt.
Worauf beim Vergleich zu achten ist: Erstens die Länge des Prognosezeitraums selbst — sechs Monate sind Standard und gut; längere Zeiträume erschweren den Nachweis. Zweitens die Rückwirkung — gute Bedingungen leisten ab Beginn der Berufsunfähigkeit, nicht erst ab dem Zeitpunkt der Feststellung. Drittens das Zusammenspiel mit Meldefristen: Ein Tarif, der rückwirkende Leistungen zeitlich begrenzt, entwertet die Fiktion teilweise — gerade bei Erkrankungen, bei denen die Einsicht, dass es nicht mehr geht, erst spät kommt, etwa psychischen Erkrankungen. Diese drei Punkte zusammen entscheiden im Leistungsfall über Monate von Rentenzahlungen.